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Michael Zellers Schreibwerkstatt: Die verborgene Drachenhöhle

Jahrgangsstufen 3 – 12

Eine Gruppe von Fernsehleuten war in die Stadt gekommen. Sie hatten von einer Drachenhöhle gehört, die es hier geben solle. Sie wendeten sich an die Stadtverwaltung, das Pressebüro, den Fremdenverkehrsverein. Niemand wusste Bescheid.

Jetzt gingen sie auf die Bevölkerung zu. Man sah sie durch die Straßen ziehen mit Mikrofon und Kamera und den Passanten ihre Fragen stellen. Natürlich waren auch Kinder und Jugendliche dabei.

In der Fußgängerzone fragten sie Franek, der aus dem Ausland zu Besuch war, bei Tante und Onkel. Erst verstand er die Frage nicht richtig, aber dann war er Feuer und Flamme: Gerade erst hatte er daheim ein Buch gelesen über Drachen.

In seiner Nachbarschaft wohnte Karla, mit der er sich schon ein bisschen angefreundet hatte. Franek wollte von ihr wissen, was sie ihm von einer „Drachenhöhle“ in der Stadt erzählen könne.

„Wann soll das denn sein? Heute?“, fragte ihn Karla zurück. „Oder früher?“ Gibt es überhaupt noch Drachen, überlegten beide gemeinsam, oder war das vielleicht nur der Name für etwas anderes, eine Tarnung der Erwachsenen für etwas, das Kinder nicht verstehen sollten? Sie wurden richtige Partner dabei, Karla und Franek, erzählten sich alles, was sie gehört und gelesen oder im Fernsehen gesehen hatten. Karlas Oma hatte ihr als kleinem Mädchen oft Geschichten über Drachen erzählt. Seitdem hatte sie keine Angst mehr vor ihnen. Und Franek?

„Pah!“ Der winkte großartig ab.

Gemeinsam beschlossen Franek und Karla, sich selbst auf die Suche zu machen und sich alles anzuschauen, wo der Ort sein könnte, der sich „Drachenhöhle“ nennt. Sie fingen mit den Friedhöfen an (das war Franeks Tipp), dann kamen die Kirchen. Sie durchsuchten Ruinen in der Nähe, auch alte, leerstehende Fabriken. Selbst in den Keller einer Gemeinschaftsschule stiegen sie. Franek konnte ja die deutsche Sprache nicht besonders gut, und das setzten sie geschickt ein gegenüber den Erwachsenen. Mal ging er hin, wenn er ihnen ihre Neugierde erklären musste. Wenn es schwieriger wurde, machte es Karla.

Was sie auch anstellten: Sie kamen der Sache nicht näher. Und wenn „Drachenhöhle“ der Name für etwas ganz anderes war? Nichts durfte ausgelassen werden. Gab es vielleicht Ölquellen unter ihrer Stadt, Bodenschätze? Oder meinte „Drachenhöhle“ ein Nest von Gaunern, die irgendwo in der Stadt ihr Hauptquartier hatten? Oder ein Lokal für verbotenes Glücksspiel? Neulich nämlich hatte Franek hinterm Bahnhof eine neue Kneipe entdeckt, die ihm gleich verdächtig vorkam. Da stand „Dragon“ dran. Er erzählte Karla davon.

„Weißt du, was das heißt?“, schrie sie auf, elektrisiert.

„Nö. Hatten wir noch nich“, maulte er zurück.

„Drachen heißt das, Mensch, verstehst du: Drachen!“

Sie machten sich einen Plan, was noch alles zu tun sei. Nachdem sie bisher am Tag unterwegs gewesen waren und nichts gefunden hatten, versuchten sie es jetzt in der Dämmerung. Erst am frühen Morgen, dann am Abend. Schließlich zogen sie nachts los. Sie beratschlagten, wie sie das seinen Verwandten und ihren Eltern verheimlichen konnten. Gar nicht so einfach!

Sie warteten ab, bis es Vollmond war, damit sie auch etwas sehen konnten.

„Noch drei Tage“, sagte Karla. Hoffentlich merkte Franek nicht, wie ihr dabei die Stimme zitterte. Doch der hatte genug damit zu tun, weiterhin den Furchtlosen zu spielen. Noch dazu vor einem Mädchen. Und dazu aus einem fremden Land...

Auch in diesem Jahr beschenkt uns der Wuppertaler Schriftsteller Michael Zeller wieder mit einer Geschichtenidee. Und wieder bricht die Geschichte ab, fast bevor sie richtig begonnen hat. Ihr seid also gefragt mit euren kreativen Schreibideen, wenn es mit Karla und Franek weitergehen soll, über all die Grenzen hinweg, die sie sonst trennen.

Grußwort von Michael Zeller

Eure Aufgaben

  1. Löst das Geheimnis der Drachenhöhle, indem ihr erzählt, welche Abenteuer Karla und Franek erleben, als endlich Vollmond ist. Die Form bestimmt ihr selbst: Erzählung, Kurzgeschichte, Tagebuch, Theaterstück oder weiteres.
  2. Illustriert und gestaltet euer literarisches Werk so, dass daraus ein Renner auf der nächsten Buchmesse wird, und fügt einen Werbetext bei, der euer Buch unwiderstehlich macht.

Ergänzende Hinweise

An die Beschäftigung mit epischen, auch selbst produzierten Texten werden die Schüler in allen sprachlichen Fächern mit zunehmender Komplexität bereits seit der Primarstufe herangeführt. Eine Richtlinienanbindung ist sowohl über die Kernlehrpläne als auch über die bisherigen Richtlinien schulformübergreifend gegeben. So wird in der Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung neben den Kompetenzerwartungen im Bereich des „Schreibens“ beziehungsweise im Bereich des „Lesens – Umgangs mit Texten“ auch der Forderung nach einer Vertiefung und Erweiterung der Methoden- und Medienkompetenz Rechnung getragen.

Fachbereiche

Deutsch, Literatur, Arbeitsgemeinschaften für kreatives Schreiben, Kunst (auch fächer- und jahrgangsstufenübergreifend)

Arbeitsformen

Einzelarbeiten, Gruppenarbeiten, Partnerarbeiten

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